Die Lofoten - Schon lange ist dies eine meiner Traumdestination für eine Velotour. Leider kann mein Freund Volker mich diesmal aus gesundheitlichen Gründen nicht begleiten. So unternehme ich dieses “Abenteuer” auf eigene Faust.Am Sonntag ist es dann soweit - Pünktlich um 06.55 startet die SWISS Maschine Richtung Oslo. In Oslo gelandet, ist die unerwartete Gepäckannahme in Oslo allerdings nicht geplant… Doch schaffe ich dies ohne große Probleme. Es folgt der Weiterflug nach Bodo, eigentlicher Ausgangsort für die Lofoten. Stark bewölkt und ab und zu Regen. So werde ich vom Wettergott in Bodo empfangen. Nachdem das Bike zusammengestellt ist (den Flug hat es unbeschadet überstanden), unternehme ich eine Sightseeingtour in Bodo.
Wie schnell das Wetter auf den Lofoten wechseln kann, wird mir am nächsten Morgen bewusst.Regen (die Gelegenheit meine Regenausrüstung zu testen) also unternehme ich eine Fahrt in nächster Umgebung von Svolvaer. (Noch) gibt es in der Umgebung von Svolvaer Restaurants und Pubs und das lasse ich mir bei diesem Wetter nicht entgehen.Ein Haupterwerbszweig: Mehrheitlich für den Export gefangener Dorsch wird zu Stockfisch verarbeitet und getrocknet. Größter Abnehmer des Trockenfisches ist Italien und Portugal. Die Köpfe werden hauptsächlich nach Nigeria und Kenia exportiert.
Heute beginnt meine 2 wöchige Radtour. Das Wetter hat sich etwas beruhigt, immer noch stark bewölkt aber kein Regen und ab un zu sogar einige Sonnenstrahlen. Mein Ziel: der äusserste Nordwesten der Lofoten. Ich radle nach Laukvika und umrunde in dem Sinne die Insel Austvagoya. Nach 65 km erreiche ist das Bed & Breakfast von Gert-Jan und Ellen in Laukvika (das ganze rote Haus zu meiner Verfügung!). Ich werde wie ein Familienmitglied empfangen. Der Volvo datiert aus dem Jahre 1972!
Die Familie stellt mir zum Frühstück alles auf den Tisch oder im Kühlschrank, was man gerne haben möchte. Einfach super.Danach Erkundungsfahrt in der Umgebung. Das Wetter beruhigt sich zusehends und die Sonne kommt immer mehr zum Vorschein. Die Landschaft ist traumhaft schön. Noch vor einer Woche hat es hier geschneit.
Ja, und was ich abends gegen Mitternacht erlebe, ist einzigartig. Noch nie in meinem Leben habe ich einen so schönen Sonnenunter- und -aufgang gesehen. Die Sonne verschwindet hier in Laukvika nur noch für etwa 45 Minuten knapp unter dem Horizont, die Mitternachtssonne bleibt vom 27. Mai bis zum 17. Juli immer über dem Horizont, da die Lofoten nördlich vom Polarkreis liegen. WAS FÜR EIN NATURSCHAUSPIEL !!!Die Aufnahmen entstehen zwischen 22.47 und 01.36h.
Heute letzter Tag in Laukvika; ich besuche mit Gert-Jan noch das Polarlichtzentrum, das von einem holländischen Polarlichtspezialisten geführt wird. Es ist anscheinend das einzige Researchinstitut für Polarlichter in Norwegen. Es liefert auch Daten an die NASA. Im letzten Winter besuchten es über 600 Gäste, welche natürlich auch dieses Phänomen live erleben wollten. Eine kleine Wanderung mit anschließendem gemeinsamem Nachtessen beendet den Aufenthalt hier in Laukvika.
Ich fahre bei schönstem Wetter los. Mein Ziel heißt Henningsvaer am südlichsten Zipfel der Insel Austvagoya. Die Strecke führt wieder über Svolvaer auf die E10. Kurz nach Svolvaer befindet sich die Kathedrale der Lofoten. Leider ist sie geschlossen. Nach 65 km erreiche ich über 2 Brücken den Ort Henningsvaer.
Was heißt Gegenwind beim Radfahren? Das bekomme ich auf dieser Etappe in vollen Zügen zu spüren. Die Route führt zur Insel Gimsoya, wo auch der einzige Golfplatz auf den Lofoten liegt. Doch zuerst genieße ich einen wunderbaren Cappuccino (anscheinend der beste im ganzen Lande…) Ich muss dies wirklich bestätigen. Ich fahre von Südosten nach Nordwesten bei vollem Gegenwind. Eine Tafel mit Anzeige der Windgeschwindigkeit über die Brücke nach Gimsoya zeigt 10m pro Sekunde; d.h. 36km/h. Die Route führt immer der Küste entlang. Das Meer ist so sauber, die Farben sind so schön, darkblue, deep sky blue, light blue, aquarmarineblue, turquoise blue etc. etc; es ist einfach unglaublich. Die Strassen in den Lofoten sind ein ständiges leichtes Auf und Ab. Es sind praktisch keine grösseren Steigungen vorhanden. Die Insel Gimsoya ist für seine kleine Kirche, den Golfplatz und den Berg Hoven (368m) unbedingt einen Besuch wert. Die Golfanlage bietet die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf dieser Insel.
Der Hoven ist nicht schwer zu besteigen und dies lasse ich mir abends um 21 Uhr nicht entgehen. Einzig der Einstieg des Pfades ist so eine Sache… Oben angekommen werde ich von der Rundsicht einfach überwältigt. Es ist einmalig. Nur der starke Wind wirkt etwas unheimlich und ich bin der einzige Mensch weit und breit auf diesem Berg.
Und zur Feier des Tages (der Nacht…) eine wunderschöne (fast) Mitternachtssonne !!
Heute liegt eine etwa 70 km lange Etappe vor mir. Ziel: das B&B von Anne Gerd unweit von Leknes, der zweitgrössten Stadt der Lofoten. Wunderschöne Küstenstraßen abseits der E10, ab und zu mal ein Auto und diesmal pro Saldo mit Rückenwind… Ein Eldorado für Velofahrer!
Anne Gerd empfängt mich herzlichst und serviert gleich eine Tasse Tee mit Brot und süßlichem Käse (eine norwegische Spezialität). Dass ich bei ihr die Waschmaschine brauchen darf, ist selbstverständlich. Eine Gastfreundschaft sondergleichen. Das nächste Restaurant wäre mit dem Bike etwa 45 Minuten vom Haus entfernt und so bin ich abends zum “Znacht” eingeladen (ihre Tochter deren 2 kleinen Kindern sind ebenfalls zu Besuch im Hause). Der Fisch schmeckt köstlich.Anne Gerd arrangiert für mich auch gleich noch einen Mietwagen um die Highlights der Umgebung zu besichtigen. Mit dem Velo wäre all dies gar nicht möglich. Für NOK 600 (CHF 90) bekomme ich einen Gebrauchtwagen SAAB mit nur 220’000 Km.! Was will man noch mehr…
… doch nein, los geth’s zur Utakleiv Bucht. Die Bucht ist einfach so schön, dass man stundenlang dort sitzen möchte.Gibt es in der Karibik schönere Strände? Und wo sind alle Touristen?
Dann eine Wanderung entlang der Küste zum Leuchtturm von Unstad…
…Hoppla wo geht es weiter? - Der Pfad endet abrupt. Das war’s ! Leuchtturm ade !
Am späteren Nachmittag big Party - Barbecue mit vielen Gästen.Die Enkelkinder von Anne Gerd
Abends fahre ich nochmals zur Utakleiv Bucht - Es ist einfach atemberaubend ! Ab heute Abend bleibt die Sonne immer über dem Horizont ! (Aufnahmen zwischen 23.16 und 01.07h)
Ich will es nochmals wissen… Heute wandere ich zu einem anderen Leuchtturm, demjenigen von Hornneset.Diesmal schaffe ich es, doch einen etwas grösseren Leuchtturm hätte ich schon erwartet…
Wieder ganz alleine, außer Schafe - die Lofoten sind wirklich ein pures Naturparadies.
Es heißt Abschied vom B&B zu nehmen und ich freue mich auf ein weiteres Highlight der Tour. Ich habe unglaublich Glück, denn um den 2 Km langen Tunnel (er verbindet die Insel Vestvagoya und Flakstadoya unter dem Meer durch) zu umgehen, gäbe es eine Bicycle Ferry von Ballstad nach Nusfjord. Allerdings ist sie erst ab 15.6. in Betrieb (ich bin eben wirklich noch außerhalb der Feriensaison unterwegs). Nach einem Anruf mit dem Fährbetreiber erfahre ich, dass just an diesem Donnerstag eine Gruppe von 8 Leuten ebenfalls angefragt haben und er somit ausnahmsweise eine Fahrt unternimmt. Selbstverständlich ist noch ein Platz für mich frei. Einfach super! Beim Besteigen der Fähre stelle ich fest, dass es dieselbe Fahrradgruppe Engländer ist, die ich schon auf Gimsoya im Golfclub getroffen habe.
Nusfjord hat etwas von einem Hochgebirgsdorf und ist schlicht wunderschön. Nahezu alle Häuser des Dorfes - und fast alle sind rot - stammen aus dem 19.Jh., und Nusfjord war über 4 Generationen eines der grössten Kaufmannsdörfer auf den Lofoten. Nebst Café, Backerei, Krämerladen, Gefängnis, Telegrafenamt hatte es sogar ein eigenes Kraftwerk, das elektrischen Strom lieferte. Nach dem Niedergang der Lofoten Fischerei blieb so gut wie nichts übrig. Dafür strömen heute scharenweise Touristen herbei und das Dorf ist eigentlich ein grosses Museum.
What are these photos about? (Optional)
Ausflug mit dem Bike an die Westküste.
Abends Wanderung um Mitternacht um die Mitternachtssonne zu fotografieren.
Eigentlich war eine weitere Wanderung geplant und zwar zu einem Strand karibischer Schönheit, dem Kvalvika Strand. Wegen dichtem Nebel auf der Westseite der Insel, wo eben auch dieser Strand ist, verzichte ich auf den Marsch (das Bild stammt natürlich nicht von mir).
Ich radle auf einer Schotterstrasse und bei sehr starkem Wind wieder zur Ostseite an eine der sehenswerten Ortschaften der Insel Flakstadoya zum Dorf Austre Nesland, frei von Nebel. Dort wohnt Lill-Anita, eine Künstlerin, die ich mit ihrer Studienfreundin Katja während des Barbecues bei Anne Gert kennengelernt hatte. Und ich habe Glück, sie sind zu Hause, resp. ihre Gallerie ist offen. Dass ich Kaffee und Waffel serviert bekomme, ist eine Selbstverständlichkeit.
Was ein schwerer Sturm alles anrichten kann… Da ist es bei diesem Wetter viel gemütlicher !
Das Wetter hat etwas umgeschlagen, doch es hört schnell auf zu regnen. Ich fahre zu meinem fast südlichsten Punkt der Lofoten, nach Reine. Es ist praktisch windstill und so komme ich zügig voran.
(Endlich wieder mal…) Ein Caféhaus und dazu genieße ich eine wunderbare Waffel !
Eine gröbere Baustelle auf der einzigen Strasse nach Reine zwingt mich zu einer längeren Wartezeit. Ich darf während dieser Zeit im Jeep eines Bauarbeiters warten, denn es ist richtig kalt.
Ich bin im “Reine Rorbuer” in Reine auf der Insel Moskenesoya angekommen; Rorbuer sind Hütten, die auf den Lofoten sehr beliebt sind. Sie sind meistens mit Sitzecke, Kochstelle, WC/Dusche und einer Veranda ausgestattet.
Zum Abschluss radle ich heute zum südwestlichsten Punkt dieser Insel. Dort hört die Strasse E10 auch auf. Das Dorf heißt kurz und bündig “Ä”. Die ersten Sonnenstrahlen sind schon zu sehen; ob ich heute nochmals mit schönem Wetter honoriert werde?
Die letzten begehbaren Wiesen. Das untere Bild mit iPhone Panorama Funktion aufgenommen (von Nordosten nach Südwesten)!
Die letzten beiden Inseln der Lofoten: Rost und Vaeroy, die nur mit der Fähre zu erreichen sind.
Am Nachmittag unternehme ich noch einen Bootsausflug auf den Reinefjorden. Zuhinterst im Fjord leben im Sommer einige Familien.
Mein letzter Tag; mit der Autofähre geht es von Moskenes zurück nach Bodo, wo die Reise begonnen hatte.
Ein letzter Gruß !
Nach 485 km bin ich vom äußersten nordöstlichen zum südwestlichen Zipfel der Lofoten geradelt. Es war diesmal eine eher gemütliche Velotour; dafür konnte ich die Landschaft und Natur wie nie zuvor in vollen Zügen geniessen.
Ich werde bestimmt wieder kommen, denn die 190 km lange Inselgruppe der Lofoten mit ihren 24’000 Einwohnern umfasst ein Reich, in dem die Natur in spektakulären, ja geradezu unwahrscheinlichen Erscheinungsformen auftritt. Dementsprechend kürte sie im Jahr 2007 das “National Geographic Traveller”-Magazin zu den DREI SCHÖNSTEN INSELREISEZIELEN unseres Planeten.
Dinge, die anderswo gewöhnlich wirken, sind hier ins scheinbar Seltsame übersteigert, die Landschaft wird zur surrealen Fantasie.
© 2026 Daniel Moser