Das allerbeste an Träumen von großen Fahrradabenteuern ist, dass sich der eine oder andere vielleicht in deinem Kopf festsetzt und immer wiederkommt. Bis daraus eine Idee wird. Und dann, wenn die Sonne tatsächlich wieder durch die Wolken scheint, vielleicht sogar ein echtes Erlebnis in der Wirklichkeit wird.
So habe ich meine Story begonnen. Der Traum ist mit meinen 70 Jahren nach fast drei Monaten wahr geworden. Diese Tour hat so viel Abwechslung geboten: Norwegen mit der Finnmark und den Fjorden, in Steilküsten eingebettet. Dänemark mit den Dünen. Deutschland, Holland mit dem Wattenmeer. Holland mit den fantastischen Velowegen. Die Rheinroute mit dem Schiffsverkehr und der Schwerindustrie im Ruhrgebiet.
Es ist kein Geheimnis, dass Norwegen eines meiner Lieblingsländer ist. Norwegen ist natürlich nicht mit der Schweiz zu vergleichen, obwohl ich immer wieder das Gegenteil von Norwegern gehört habe. Ich bin vom Europäischen Nordmeer (Norwegian Sea) mit seiner Atlantikküste, den Fjorden und Bergen, den zahlreichen Inseln, den verschiedenen Klimazonen und dem Licht einfach unglaublich begeistert.
In fünf Ländern bin ich geradelt: Norwegen, Dänemark, Deutschland, Holland und Frankreich. Besonders positiv erwähnen möchte ich noch die vielen neuen menschlichen Kontakte, die ich erleben durfte.
Mit dem E-Bike ist die physische Leistung sicherlich nicht ganz mit dem normalen Fahrrad zu vergleichen. Trampen mit dem schweren Fahrrad muss man jedoch trotzdem. Die mentale Leistung hat aber doch einiges abverlangt. Nach der Knieoperation, die 6 Monaten (Dezember 2018) vor Beginn der Tour stattgefunden hatte, hätte ich diese Tour mit dem normalen Fahrrad nie und nimmer antreten können. So bin ich nach knapp 5100 Kilometern sehr dankbar, dass ich ohne Knieschmerzen, ohne krank zu werden, ohne wirklich ernsthafte gefährliche Situationen, mit nur einer fahrradtechnischen Panne, am Ziel überglücklich und auch stolz zuhause angekommen bin.
Am Samstagabend nach meiner Rückkehr konnte ich kurzfristig noch einen Welcome Back Treff organisieren, zusammen mit dem zufällig stattfindenden Spaghetti Abend des Turnvereins Langnau im Tenniscenter, wo Yves und Pascal das Präsidium führen. 25 Freunde kamen spontan, was mich sehr berührt und gefreut hat.
Ob ich sowas nochmals machen würde, wurde ich immer wieder gefragt. Kaum, es ist schon eine lange Zeit, drei Monate praktisch immer alleine zu sein. Und wenn, dann würde ich in erster Linie Zelt und Hütten zum Übernachten vorziehen. Vorteil, man kann viel mehr Kontakte knüpfen.
Kürzere Velotouren sind weiterhin auf dem Menüplan. Norwegen wird mich ganz sicher wiedersehen, aber auch Schweden und Finnland, zwei Länder, die ich gar nicht kenne. Fahrrad kombiniert mit einem anderen Fortbewegungsmittel (?!!)…