Ursprünglich wollte ich diese beiden Etappen in einem Tag fahren. Doch die letzten vier Tage haben mir vor allem der Wind, aber auch die grossen Distanzen doch etwas zugesetzt. So entschliesse ich mich, von jetzt an die Etappen kürzer zu treten. Ich storniere alle Übernachtungen und werde es vorwegnehmen. Südlich von Esbjerg verändert sich die Landschaft am Meer komplett. Das Wattenmeer beginnt. Ich fahre etwa 22 km dem Meer entlang, ohne es zu sehen... Ein relativ hoher Deich teilt das Meer vom Hinterland. Einen grossen Vorteil hat das, es hält diesen Westwind etwas ab. Für Autos ist die Strasse verboten, nur Landwirtschaftsfahrzeuge sind nebst Fahrrädern erlaubt. Ich komme gut voran. Und schon um 14 Uhr bin ich im ältesten Hotel von Ribe. Leider ist bei der telefonischen Buchung etwas falsch gelaufen. Ich muss etwas ausserhalb des Zentrums in einer Dependance des Hotels übernachten. Vorteil: es ist billiger, und das Frühstück kriege ich dafür gratis... Ich verbringe den Nachmittag mit Sightseeing in dieser wirklich schönen Stadt. Ribe ist die älteste Stadt von DK und ist bekannt für seine gut erhaltene Altstadt mit dem romanischen, später gotischen erweiterten Dom. Am Abend esse ich seit längerer Zeit wieder mal etwas luxuriöser, ein wunderbares Rindsfilet! Seit ich die CH verlassen habe, hatte ich nie mehr Rindfleisch, ausser immer wieder Hamburger!
Am anderen Tag nehme ich es wieder sehr gemütlich. Ich fahre zurück zum endlosen langen Deich. Der Wind hat sehr stark zugenommen: 11 m/S. Werde auch immer von Regengüssen überrascht. Die Knacknuss des heutigen Tages ist die Überquerung des im Jahre 1948 fertig gestellten Damms, der das Festland mit der Insel Romo verbindet. Ich überquere zum ersten Mal in meinem Leben das Wattenmeer. Der Gegenwind von Westen (und ich fahre Richtung Westen) ist jedoch so stark, dass ich mich voll auf das Fahren konzentrieren muss. Viel Verkehr und auch viele Lastwagen erschweren noch das Ganze. Ein separater Veloweg ist nicht vorhanden, aber immerhin ein breiter Streifen für Velos. Nach 9,7 km ist es geschafft. Ich brauche für den Abschnitt fast 1 Stunde!
Das Wattenmeer beeindruckt mich sehr. Ich verzichte an dieser Stelle auf Details und verweise auf Wikipedia, das sehr eindrücklich und spannend über das Wattenmeer von Holland über Deutschland bis ins südliche Dänemark berichtet (https://de.wikipedia.org/wiki/Wattenmeer).
Am späteren Nachmittag spaziere ich am Wattenmeer und staune, dass eine Autofähre in diesem seichten Wasser zwischen den beiden Inseln Romo und Sylt (DE) pendeln kann. Morgen werde ich diese Fähre um 8:10 Uhr nehmen und Dänemark endgültig verlassen.