Um 08:30 Uhr fährt die Fähre von Havneby (DK) nach List (DE) auf der Insel Sylt. List liegt im Norden von Sylt. Die Velofahrt im Norden ist wunderschön. Asphaltierte Radwege inmitten der Dünen macht das Radeln zum reinen Vergnügen. Je südlicher ich komme, desto mehr hat es Touristen auf Fahrrädern, und die idyllische Landschaft verschwindet langsam, aber sicher. Ich beende die Sightseeing-Tour etwas südlich von Westerland, wo ich in den Dünen ein vorzügliches Essen in einem Restaurant geniesse. Um auf das Festland zurückzukehren muss man den Zug über den Damm nehmen. Ich steige in der ersten Haltestelle in Klanxbüll aus und radle mit, sorry, wenn ich es immer wieder erwähne, starkem Gegenwind nach Dagebüll, wo, kaum angekommen, es anfängt zu regnen. Glück gehabt!
Die Fähre nach Sylt / Wir nähern uns dem nördlichen Teil von Sylt
Einfahrt im Städtlein List / Sylt ist ein Paradies für leichte Velotouren / Die Dünenlandschaft ist wunderschön
Zwischenverpflegung in den Dünen
Ich schwanke hin und her. Was soll ich machen? Der Hotelbesitzer in Simonsberg rät mir ab, die rund 60 km zu radeln. Es seien im Laufe des Tages schwere Stürme zu erwarten. Ich entschliesse mich, nach Niebüll zu radeln und dort den Zug nach Husum zu nehmen. Husum hat einen schönen Binnenhafen. Es scheint die Sonne, und der Wind ist noch zu ertragen. Nach einem Gelati am Hafen mache ich mich auf den Weg. Die 7 km sind kein Problem. Im Laufe des Nachmittags fängt es an. Es windet wirklich so stark, dass Velofahren kein Vergnügen gewesen wäre. Ich geniesse das Spa Hotel und gehe erstmals auf dieser Reise im wunderbar geheizten Aussenpool baden. Es regnet und windet wie verrückt, aber im Pool isch es richtig de Plausch...!
Die Sturmwarnungen sollen bis Sonntagmittag gelten. Ich muss gestehen, ich habe von diesem Wind im Moment einfach genug. Ich plane eine Änderung in meinem Routenplan. Ich kann meinen Aufenthalt im Hotel um eine Nacht verlängern. Ich spüre, dass ich wieder einmal einen Ruhetag brauche. Seit Stavanger bin ich immer unterwegs. Am Montag werde ich den Zug nach Hamburg nehmen und von dort die Velotour entlang der Elbe fortsetzen.
Die Stadt Husum
Ruhetag heisst Ruhetag! No comments for this day; ich wünsche allen einen schönen Sonntag.
Das Hotel Lindenbergsand
Das Wattenmeer
Das Wetter hat sich über Nacht beruhigt. Ich will die Sonntags-Etappe aufholen, denn ich kann die gebuchten Übernachtungen nicht mehr stornieren. So nehme ich in Husum den Zug nach Itzehoe und nicht nach Hamburg. Die 9 km zum Bahnhof fahre ich mit Rückenwind. Ich werde regelrecht gestossen... So g... Nach einer Stunde Bahnfahrt erreiche ich die Stadt Itzehoe. Mein Navi führt mich zielgerecht zur Elbefähre nach Glückstadt. Die Überfahrt dauert bis Wischhafen ca. 40 Minuten. Die Elbe ist hier unten so breit, dass man fast das Gefühl hat, dies sei schon das Meer. Ebbe/ Flut beträgt immerhin ca. 4 Meter. Die restlichen 60 km führen mich durch abgelegene Velowege oder durch schmale Landstrassen praktisch ohne jeglichen Verkehr. Erst die letzten 15 km sind entlang der N73, aber alles auf seitlichen Velowege. Ich übernachte wieder einmal in einem B&B (in Deutsch Gästehaus), und bei der Ankunft werde ich mit einem offerierten Bier begrüsst. Zum Nachtessen muss ich aber wieder rund 6 km zurück nach Otterndorf, denn das Gästehaus liegt ausserhalb von Otterndorf. Von der Etappenplanung bin ich wieder auf Kurs.
Die Schilder der Nordseeküstenroute sehen in DE so aus / Die Elbefähre / Die Elbe ist extrem breit und hat regen Schiffsverkehr
Typische Landschaften in Richtung Cuxhaven
Da die Wetterprognose vor allem am Morgen so miserabel ist, eilt es mir für die Abfahrt überhaupt nicht. Bis Cuxhaven habe ich Glück, doch dann fängt ein intensiver Regen an, eine Stunde lang. In Cuxhaven Düne (das Touristenzentrum in Cuxhaven) trinke ich einen Cappuccino. Und es hört auf zu regnen. Also nehme ich die 50 km bis Bremerhaven in Angriff. Die Strecke ist wunderschön, und sogar die Sonne meint es ab und zu gut mit mir. Von weitem sehe ich schon die riesigen Kräne, die Container auf die Riesenschiffe verladen. Und ich kann es kaum glauben: Der Fahrradweg führt mich mitten durch das langgezogene Hafenviertel. Es müssen mindestens 8 km sein. Höchste Konzentration ist durch dieses Labyrinth gefragt. Immer wieder muss ich Bahngleise überqueren. Warnschilder erinnern die Radfahrer, dass das Hafengebiet gefährlich sei und deshalb vorsichtig gefahren werden soll. Der Containerhafen von Bremerhaven hat sich in erster Linie auf Autoverschiffung (Neu- aber auch Gebrauchtwagen) in alle Welt spezialisiert. Die Riesencontainerschiffe sind schon eindrücklich. Vor ziemlich genau zwei Monaten habe ich vermutlich noch grössere in der Hafenrundfahrt in Hamburg gesehen. Wie doch die Zeit vergeht.
Bremerhaven hat keine Altstadt. Seit 1940 wurde die Stadt vom immer heftiger werdenden Bombenkrieg heimgesucht. Der schreckliche Höhepunkt fiel auf den Abend des 18. September 1944, als 206 Lancasterbomber der Royal Air Force innerhalb von 20 Minuten einen Angriff auf das Stadtzentrum unternahmen und dieses größtenteils zerstörten: 618 Tote, 1193 Verletzte und 30000 Obdachlose waren zu beklagen. 2670 Gebäude waren vernichtet, nicht zuletzt der mittlerweile historische Stadtkern Alt-Bremerhavens, von dem nur noch ganz wenige Gebäude bis heute die Zeiten überdauert haben.
Eine feine Pizza und ein Glas Montepulciano schliessen diesen schönen Tag ab.
Immer der Elbe nach / In Cuxhaven hat der Himmel seine Schleusen geöffnet, und wie... / Am Nachmittag wieder schön / typischer Feriencenter an der Nordseeküste von DE
Von weitem sieht man schon die Container Kranen / BMW's werden von Bremerhaven in aller Welt exportiert
Die Seepromenade in Bremerhaven und der Hafen für Fischer- und Touristenboote mitten im Stadtzentrum
Um 08:30 Uhr fährt die Weserfähre von Bremerhaven nach Nordenham. Die Weser ist kurz vor dem Einmünden in die Nordsee nie so breit wie die Elbe. Ich entschliesse mich, der Nordseeroute zu folgen und nicht, wie geplant auf meinem GPS, die direkte Abkürzung zu nehmen. Ich folge konsequent den Schildern der Nordseeküstenroute. Leider ist die Beschilderung nicht immer optimal, und so verpasse ich irgendwo den Weg. Es ist schönstes Wetter (noch), die Route gegenüber gestern nicht besonders interessant oder schön. Es sind sehr viele Feriendörfer entlang der Küste, wie auch Ferienhäuser zu mieten. Das Fotografieren am heutigen Tage ist eigentlich kein Thema. Man sieht das Meer kaum, ich fahre sehr viel hinter den Deichen oder entlang schnurgerader Strassen. Heute bläst der Wind wieder sehr stark. Nur die letzten paar Kilometer habe ich den Wind von hinten. Kurz vor Wilhelmshaven mache ich an einer geeigneten Stelle einen kleinen Service am Mountain Bike.
Die Weserfähre in Bremerhaven / Fahrt praktisch immer den Deichen entlang
Wilhelmshaven und ein Grossbrand
Die Wetterprognose ist nun wirklich sehr schlecht. Ob dies tatsächlich so eintrifft, ist schwierig zu sagen. Wetterprognosen entlang der Küste sind sehr schwer vorauszusagen. Ich entschliesse mich, den Zug für etwa 30 km zu nehmen. Und von Esens starte ich um 10 Uhr. Es regnet nicht... Also fahre ich der ursprünglich geplanten Etappe entgegen! Denn der Hafen von Neuharlingersiel soll sehr schön sein. Es hat sich gelohnt, und ich kann auch fotografieren. Nun fahre ich in Richtung des Ziel Norddeich, etwa 36 km. Dann passiert es; es schüttet 1 1/2 Stunden lang, was es kann und natürlich nicht windstill. Im ersten Feriendorf Bensersiel setze ich mich in ein Restaurant. Pflotsch-Nass. Ich esse eine Fischsuppe und warte ca. zwei Stunden in der Hoffnung, dass der Regen etwas nachlässt. Irgendwann muss ich wirklich los, also radle ich weiter bei leichtem Regen. Die nächsten dunklen Wolken lassen nicht auf sich warten. Ich flüchte unter ein Dach und warte. Nach einer 1/2 Stunden geht's weiter und siehe da, der Himmel hellt sich auf, und es wird sogar heiter, die Sonne scheint. Und ich kann live erleben, wie die Windstärke mit der Sonne unglaublich zunimmt. Westwind, und ich fahre westwärts! Ich komme kaum vorwärts. Was würde ich machen ohne Motor...? Um 16:30 Uhr erreiche ich mein heutiges Tagesziel: Norddeich. 6 1/2 Stunden für 54 km!
Sorry, wenn ich immer wieder über das Wetter berichte, aber seit Beginn der Reise erlebe ich Wetter-Kapriolen, die mich sehr beeindrucken und prägen. Es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass diese Wetterlage mich doch verunsichert und innerlich nervös macht.
Freitag 16.8.2019
Früh fahre ich los. Eine längere Etappe und das Wetter hat sich beruhigt. Gleich nach Norddeich fahre ich entlang der Deiche und dies noch lange. Daher gibt es nicht viel zu berichten. In Emden mache ich einen Zwischenhalt und trinke eine Cola und esse mein Sandwich. Spannend ist die Überquerung der Ems mit einer kleinen Fähre. Ein Fluss, der seine Geschichte hat. In Papenburg etwa 20 km östlich von Leer befindet sich die Meyer Werft, wo riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. In Leer ist Gelati time...
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