Heute nehme ich es sehr gemütlich. Erst um 10;15 Uhr geht es los. Die ersten 15 km fahre ich ausschliesslich auf einem Fahrradweg. Danach folge ich der Route No 17. Auf halbem Weg treffe ich in Saltstraumen ein. Der Saltstraumen ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Durch einen 2,5 km langen und etwa 150 m breiten Sund strömen im Wechsel der Gezeiten fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen dem Saltfjord am Meer und Skjerstadfjord im Inland hin und her. Der Wasserstrom durch die Engstelle zwischen Staumoya und dem Festland ist wegen geringer Wassertiefe klein. Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h, an seinem Rand entstehen gewaltige Strudel. Sie können einen Durchmesser bis zu zehn Metern erreichen und mehr als vier Meter in die Tiefe reichen. Die Ufer des Saltstraumen bieten begehrte Angelplätze, da das nährstoffreiche Wasser Fische anzieht. So wurde hier ein Weltrekord-Seelachs gefangen, der 22,7 Kilogramm wog.
Leider ist es mir nicht möglich dieses Schauspiel zu beobachten. Ich müsste 4 Stunden warten und das liegt nicht drin. Die Landschaft ist phänomenal. Ich geniesse dieses warme Wetter. Zum ersten Mal radle ich nur im Veloleibchen. Wunderbar!!!
Gegen 16:00 Uhr treffe ich am heutigen Ziel ein. Das Kjellingstraumen Fjordcamp, idyllisch direkt am Meer gelegen. Und da begegne ich einem Menschen, der mich tief beeindruckt. Er heisst Ali und kam vor 10 Jahren als Flüchtling aus Jemen nach Norwegen. Mittlerweile hat er die Niederlassungsbewilligung, arbeitet im Camp und auf einer Lachsfarm. Der Besitzer des Camps hat sich seiner angenommen, er wurde vom Staat ausgebildet und heute kann er definitiv in NO bleiben. Im Camp ist er die rechte Hand des Besitzers und für alle Aussen-Arbeiten zuständig. Ich erzähle ihm von meiner Familie und den 5 Enkelkindern. Das fehlt ihm, meint er. Gerne würde er heiraten und Kinder haben, dies sei aber mit seinem Status nicht so einfach... Er besorgt mir noch fehlende Einkäufe im nächsten Supermarkt. Er lädt mich zusammen mit einem deutschen Paar und drei Leuten aus Frankreich zum Nachtessen ein. Er sei fischen gegangen und habe einen so grossen Dorsch gefangen, dass es für alle genügen wird. Gegrillt wird er am offenen Feuer - serviert wird er mit Gemüse, Salat und Reis. Und dies einfach umsonst. Gastfreundlichkeit, wie ich es noch nie erlebt habe. Spät abends verabschieden wir uns, er umarmt mich spontan und hofft, dass ich wieder mal komme. Eine schöne menschliche Begegnung.